• ich genieße

    mein Körper ist ein Minenfeld
    nur hier und da
    wächst eine Wolke

    sie wächst und wächst
    umfängt dich stumm
    sie hält
    sie stößt dich fort

    ich halte dich
    ich will dich halten!
    sei bitte
    weicher Nebel über mir

    jetzt wird es warm
    ich regne Säure
    ich genieße
    nein
    mir ist nicht schlecht

    (18.09.22 20:21)
  • alles wird besser

    wie geht das?
    mich selbst anrühren
    mich
    ist nur
    ein Fingerblick
    der Leere

    nochmal
    ein Versuch
    in weichen Schlägen
    alles rau
    alles schwer
    alles

    nichts
    es ist nichts
    nichts bleibt übrig
    wenn der Sommer kommt
    wenn der stechende Sturm
    alles verweht

    dann sind wir Heu
    alles ist hell
    alles ist frei
    alles wird besser
    ohne uns

    (25.08.22 19:02)

  • zittrige Waage
    blauer Atem
    die Stimmen rau
    und aufgebracht

    die Tristen fließen
    ganz beständig
    sicher und zärtlich
    weich
    vertraut

    und dunkel
    Wiegenlied
    du ziehst an mir
    du kratzt
    du schreist
    umarmst
    beruhigst

    und beißt
    es ist zu kalt
    ich will dich tragen
    und du mich

    es ist zu kalt
    und jemand stirbt
    ich muss hier weg
    du bleibst, erstickst
    und ziehst

    an mir
    an meinem Kopf
    an meiner Brust
    an meinem
    schwarzen Loch

    Zuhause
    Wiegenlied
    du bleibst
    hier drin

    verrückt
    Decke des Fleisches
    viel zu warm
    ein Teil von dir
    ein Teil von mir
    verdampft

    (20.05.22 22:29)

  • seinichtbotschaft

    danke
    dass du mich
    immer wieder
    einen Lappen nanntest

    mein Atem tickt:
    kaputtkriegen
    durch lebenlassen,
    zwanghaft

    Auswringen
    von Haut und Innereien
    ausbluten lassen
    blickdurchbohrt

    keine Veränderung
    totlebens
    das Geräusch von Krallen
    ich: Kreide, abgebrochen
    stumpf

    (09.05.2021 01:02)

  • ich kann nur
    Nässe schreiben
    frösteln
    die Lider
    leise, stets
    in deiner Hand

    du bist doch nur noch
    schwarz
    die Kohle, die
    verbrennt und bleibt

    längst in der Erde
    und zersetzt
    verfremdet
    ich – dein Spiegel

    jetzt
    ist nur ein Traum
    versteinert
    lächerlich

    vergiss dich
    endlich selbst
    ich bin nicht du
    ich bin nicht du
    ich bin nicht du

    (24.01.2021 15:45)

  • macht.los

    bin ich in mir drin
    mit dir
    auch ohne dich

    verschluckte Luft
    in meiner Lunge
    Wasser
    steigt hinab
    und findet

    nichts

    (23.01.2021 00:17)

  • ich deute nichts
    die Perfektion ist alt
    und doch
    die Kruste stiehlt mich weg

    die Stunden
    ich
    bin unvollständig
    Vakuum des Windes
    sprich mit mir
    und lass mich endlich los

    die Krallen abgebrochen
    Sicht bedeckt
    ein Schaumbad, schwarz

    ewiges Brennen
    schraube ich mir an
    mein Ich-Gerüst
    es hört nicht auf.

    (23.01.2021 00:04)

  • Postkarte.

    Der dunkelweiße Himmel versteckt die Fliegen, die irgendwoher anschwirrend die Körpergrenzen kitzeln. Summen überall, auch in der Stille des Fühlens; es ist ein gleichgültiges Summen, welches latent die Nervosität anzusprechen versucht. Sie lässt es größtenteils an sich abgleiten und schmilzt in die steinerne Ruhe des Katernachmittags. Lockere, noch schlafende Schultern, die sich bei mancher Bewegung ein wenig mitschleifen lassen, aber nur ein wenig. Gewichtlose Statue. Das Summen – ein Beweis für die vorbeifließende Zeit. Wie fühlt sich so eine braune, hektische Fliege an? Latexhandschuhe tasten nach Fingern, aber die wurden vom Latex gefressen … glaube ich. Die Fliege kann nichts dafür und soll ihr unbewusst getriebenes, hoffentlich einfaches Leben behalten, während aus verschobener Unerträglichkeit noch mehr ätzende Latexkratzwunden entstehen, die sich durch ihr Heilen hinterher stets deplatziert in die Erinnerung drängen und die für das Außen notwendigerweise auszuführenden Bewegungen stören. 

    Ein Unrat im Urlaub, solche Worte, es ist ja schön hier und dieser Körper ist wie Kreide auf einem glatten Edelstahlblech. Auf einem schönen, idyllischen, angenehm stillen Edelstahlblech, das den Himmel reflektiert und irgendwo daneben flüstert das Meer. Ich liege gern darauf, wenn auch irgendwie zerbröselt, und das ist das Beste, was ich gerade zustande bringe, und für mich ist das erst einmal genug. Von irgendwoher kommt Frische in die Atemlöcher und ich kann irgendwie nicht aufhören, diese blendende Ruhe zu beschreiben, aber es ist nun einmal Edelstahl und ich bin zu lichtempfindlich, aber schön ist es trotzdem. Vielleicht sollte ich versuchen, das Gestein einer uralten Kirche abzutasten. Immerhin hat die Umluft wieder so etwas wie einen festeren Aggregatzustand angenommen, eine Geschwindigkeit, die fast nicht überfordert. Irgendwo sind zärtliche, angenehm hellrot umwärmende Finger und ich glaube, es sind die Deinen. Fragmente deiner Haut, zwischendurch und unerwartet wagen sie sich aus dem Versteck und werden für den Bruchteil eines Augenblicks ein bisschen fühlbar, wie kann eine Hautstruktur mit so viel Liebe gefüllt sein? Manchmal deine klaren, wohlig geöffneten Blicke, die blau und rund und weich eine Sicherheit erschaffen, dies sich durch den Latex nicht greifen lässt aber irgendwo ruhig atmend und wunderbar duftend auf mich wartet.

    (15.08.2020 15:35, Kervarlay (Bretagne, Frankreich))

  • das Erwachsen

    im Augenlid versteckt,
    die Wachstumsschmerzen
    windend in mir
    wie Schritte, vorzurückt

    blendende Straßen
    Fell aus Trommelwirbel
    die Haut zu warm
    doch ich gewöhne mich

    ich wähne mich
    in deinen stillen Augen
    in deinem Grinsen
    mein

    handflächenfeuchtes
    Kratzen
    in der Tat
    in jedem Zweifel
    meines

    Alptraumstrampelns
    in Zehen, Fingern
    ich weiß noch nicht
    wie man aufwacht

    doch das ist okay

    (16:57 28.05.2020)

  • ich höre hin:
    der Boden bricht
    ein Kribbeln
    nach dem anderen

    Wachs
    ausgetrocknetes Jahrzehnt
    aus Wänden
    gleißend hell und schreit
    sich durch mein Ohr
    erreicht mich nicht.

    das Wachs schmilzt
    Ort für Ort
    ich brenne
    und irgendwann
    hört das Kribbeln vielleicht auf.

    (31.01.2020 01:08)

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