Fischfutter oder Futterfische

Zeilen schwimmen
poröse Wände hoch
sie rutschen ab
Jahrhunderte zerfallen
es ist zu trocken hier

ein Schwindel aus Spinnennetzen
Augen auf im Wasser
atmen
atmen
dann ist die Spinne weg
nur dann ist die Spinne weg
verzieht sich in ihren Schrank
und wir stellen uns vor
sie hätte sich in Luft aufgelöst

atmen
der Tremor wie ein Tumor
bösartig und wachsend
erbarmungslos

ich baue mir ein Aquarium
ohne Anfang und Ende
und niemand hat Zutritt
Grenzen bedeuten mir nichts mehr

(17.11.2017 23:21)

Advertisements

Psst.

Kribbeln von den Zähnen über den Herzmuskel bis zu den Fingerspitzen. Alles unerträglich, außer die kalte Ästhetik. Das Schöne, Gute, darin Fünkchen von Emotionen. Hart genug, dass es nur kleine Ansätze von Schrammen hinterlässt. Das könnte aushaltbar sein. Ein Wiegen in Glocken, Stimmenfäden und Schlägen, Schnitten. Immer wieder Wiegen. Es geht hin und her, auf und ab. Vielleicht gab es nie ein bewegliches Bettchen, vielleicht geschahen alle Jahre in diesem dunklen Raum ohne Berührung. Berührung ist gleich Schmerz und es ist nur natürlich, Schmerz zu vermeiden, oder? Ratten, ob im Labor oder auf der Straße, in glänzenden Anzügen oder in ungewaschenen Fetzen, die mehr Loch als Kleidungsstück sind, alles Ratten, vor dem Schmerz sind alle gleich. Ein Streifen, das ist aushaltbar. Alles andere muss abgestreift werden, Gefahr in jeder Körperpore, wie erkennt man sein Überleben?
Das Kribbeln kommt wieder, immer wieder, eigentlich ist es nie weg, im Zentrum des Körpers, da schlägt es nicht, da sticht es. Sticht und sticht, geh weiter, bleibe ja nicht stehen, der rauschende Rachen um dich herum wird deine Sicht verschlingen und alle Töne und Punkte, nichts wird übrigbleiben und du findest dich nur in weißer Dunkelheit wieder, während alles in Wirklichkeit in Farben ertrinkt. Alles ertrinkt und du bist sicher und unberührbar. Kribbelig macht sich die Erdanziehung bemerkbar, nach unten und schräg zur Seite, der unscharfe Raum biegt und bricht sich und Finger zittern und es nimmt kein Ende, es nimmt einfach kein Ende. An der Grenze des Erträglichen gibt es nur Rückwege, die sich zu einem Labyrinth aufbäumen, dicht wie ein Dschungel, also verstummen die Schritte.
Jeder klare Gedanke nagelscherenscharf, viel Klares gibt es nicht. Das Lebenbleiben sticht, so kräftig es kann, was anderes beherrscht es nicht, und dieses Wissen ist das Passwort für die Stille. Heimelige schwarze Wiege, grauende Himmelwelt in einem Schädel, alles hinter den Grenzen eines einzigen Schädels. Viel zu wenig Platz, zu wenig Luft, zu viel Stechen. Einen anderen Ort gibt es nicht. Vielleicht ist das das Ende vom Anfang, wie langweilig dieser Satz auch sein mag. Die Suche reicht nur einen Satz weit, an jedem Punkt steht wieder der Beton und grinst nicht einmal mehr, hebt lediglich lustlos seine schweren Schultern. Es gibt nur falsche Richtungen für den Anfang, deshalb besteht sein Wesen daraus, jämmerlich im Teufelskreis zu verenden. Wohin die nackten Sohlen sich auch wagen, es tut weh. Es gibt keinen Schutz. Es gibt keinen Schutz. Es gibt keinen Schutz. Den Satz öfter zu schreiben entkräftet ihn nicht, er fühlt sich nur bestätigt und verbirgt immer eifriger, dass er nicht der Wahrheit entspricht.
Pieksende Aneinanderkettung von so etwas wie Aphorismen, die den Leser anschreien will. Hier ein Versuch, ihr Dasein wert- und kommentarfrei hinzunehmen, bevor sie von den Schädelratten zerfressen wird.

(17.11.2017 22:49)

Erste kleine Veröffentlichung!

Liebe Leute,

eines meiner Gedichte wird in der 15. Ausgabe der Literareon Lyrik-Bibliothek des Utz Verlags enthalten sein! Da freue ich mich sehr drüber und hatte da gar nicht mit gerechnet aber vor ein paar Tagen kam der Brief. Ich hatte schon ganz vergessen, dass ich da was eingeschickt hatte :D Das Buch kommt im November/Dezember raus.

Ich hoffe, euch geht es allen gut!

poröse Vorhänge
sie schreiben Furchen, laut
aufs Pergament der Zeit
ein Denkmal auf uns

weich
mal trocken, fleckig
zu ehrlich, dünn, verbraucht
dokumentiertes Leid

Spuren der Tage
verewigt und zerfallend
sie hängen mir
wie Schatten im Gesicht

ich suche Halt
Stunden verbiegen sich
mir aus dem Weg

erbarmungslos,
fast hämisch lachend
schleicht irre Welt um mich herum

das Metrum Zeit – Grenzen des Atmens
und zwischen Zügen
Bitte

doch eines schönen Tages
mich nicht in Scham
vor deiner schwarzen Ruhe zu erschrecken
lieber Tod.

(10.07.17 19:31)

ich bin der Schlaf in Person
ein Zittern in Beton
irgendwo sticht etwas

ich will jemanden berühren
mit einer Wimper
einer Hautschuppe
einem Atemzug

du verschwimmst in mir
grau kalt unscharf warm kalt
ich will deine Finger spüren
prüfen, ob es wirklich deine sind

ich bin doch nur ein Traum
irgendwann reichen meine Worte
bis zu dir
und du wachst auf

(21.03.17 00:26)

dein warmer Abdruck
feine Spuren meiner Haut
Kristallglas
feucht vom Regen
deiner Worte

zaghaftes Schütteln
meiner Eierschale
glühend weich und schwarz
wie Rauch
mit zu viel Sauerstoff genährt

zu still in mir
sitzt diese Zeit
liegen die Tage
wohin mit deinem Blick?
ich weiß es nicht

(17.03.17 2:38)

kein Schmerz, der nähren könnte
ich regungslos
dein Ende schmiegt sich
selig grau und bebend
an meine Gänsehaut

steinerne Empathie
Pupillen
Scherze
Gesten
du lässt nicht los.

unzählbar
bleiben deine Tode
wie Blut
das immer wieder
plötzlich von der Decke tropft.

(12.12.16 20:52)